Schäden durch Keratinkuren

Keratinbasierte Haarglättungscremes haben für Verunsicherung gesorgt, als bekannt wurde, dass diese Produkte oft eine viel zu hohe Formaldehydkonzentration aufweisen.

Schäden durch Keratinkuren

Die Popularität von Haarglättungsbehandlungen mit keratinbasierten Cremes explodierte vor wenigen Jahren mit der brasilianischen Haarglättung. Der Boom ging von Brasilien aus und reichte über die USA bis nach Europa.

Viele Friseursalons waren sich damals nicht über den hohen Gehalt an Formaldehyd in den Keratincremes für die Haarglättung bewusst. An sich wird Formaldehyd als Konservierungsmittel eingesetzt. Das Formaldehyd in Keratincremes dient aber als Lösungsmittel, durch das die Schwefelverbindungen in dem natürlichen Keratinpanzer im Haar gelöst werden, um danach bei der Glättung unter Hitzeeinwirkung erneut mit dem Keratin aus dem Produkt wieder verschmolzen zu werden. Dabei entsteht der Glättungseffekt.

Produkte im Friseursalon

Nachdem es in Brasilien zu schweren Zwischenfällen nach der Anwedung mit der ersten Generation solcher Keratincremes kam, wurden die Produkte in Europa von der EU verboten. Durch die in Brasilien dokumentierten gesundheitlichen Schäden wurde in verschiedenen Ländern Alarm ausgelöst.

Auch in Europa untersuchten die Behörden Haarglättungcremes. Das Ergebnis: Viele der verwendeten Haarglättungscremes enthielten nicht nur Keratin sondern auch das Konservierungsmittel Formaldehyd, und zwar in unverantwortlich hoher Konzentration. Vielen Friseuren war die hohe Schadstoffbelastung dieser Mittel gar nicht bekannt.

Inzwischen gibt es in der EU einen offiziellen Höchstwert von 0,2 % Formaldehyd-Konzentration. Ab 0,1 % Formaldehyd besteht eine Kennzeichnungspflicht.

Wo liegt das Problem?

Die gesundheitlichen Folgen von Formaldehyd reichen von Reizungen von Haut und Atemwegen bis zum Extremfall Krebs, häufig sind dabei allergische Reaktionen und Augenentzündungen.

Die Gefahr bei der Verwendung von Mitteln mit Formaldehyd liegt in den Dämpfen, die während der Hitzeeinwirkung entstehen, und von Kunden und Friseuren eingeatmet werden.

Gefährdet sind bei solchen Produkten hauptsächlich professionelle Anwender, die sie tagtäglich bei der Arbeit anfassen und einatmen. Der gesetztliche Schutz dient also in erster Linie den Friseuren und Stylisten. Natürlich werden auch Nutzer und Kunden mit diesen Produkten in Berührung kommen, allerdings nicht mehr oder häufiger als mit anderen schädigenden Chemikalien im Alltag.

Bei der Haarglättung allerdings wirkt der Schadstoff auch bei den Kundinnen noch viele Monate nach, weil er mit dem Keratin ins Haar gebügelt worden ist. Der chemische Stoff zersetzt sich mit der Zeit und damit sind auch Kunden von Haarglättungsbehandlungen dem Schadstoff ausgesetzt. Das kann unter Umständen die Kopfhaut reizen und schädigen.

Alternativprodukte

Das Formaldehyd in den Glättungsprodukten wurde nicht mit der Absicht zugesetzt, der Gesundheit zu schaden, sondern die Keratintinktur in das Haar einzuarbeiten. Nach dem Importstopp für verschiedene Produkte wurden neue Cremes entwickelt, die den Schwellenwert der 0,2 % Konzentration einhalten und sogar ganz auf Formaldehyd verzichten.

Wer kein Formaldehyd an die Kopfhaut kommen lassen möchte, tut gut, bei einem vertrauungswürdigen Friseur entsprechenden Produkten und Verfahren zu fragen.

Risiko für die Augen, Allergien, Haut und Haare

Formaldehyd ist ätzend und kann die Augen reizen. Langzeitschäden werden an den Augen durch einen Friseurbesuch nicht entstehen, es kann aber kurzfristig zu unangenehmen Reizungen kommen. Wer bei der Arbeit ständig mit solchen Produkten in Kontakt ist (selbst bei den mit niedriger Konzentration) tut gut, in einem ausreichend gelüftetem Raum zu arbeiten.

Formaldehyd kann auch bestehende Allergien verstärken. Wer unter Asthma leidet, sollte sowas unbedingt vermeiden.

Auch die Haut absorbiert Formaldehyd sehr schnell. Bei einer Keratinbehandlung kann bei Produkten mit Formaldehyd die Kopfhaut gereizt werden, was selbst unter sorgfältiger Anwendung immer mal passieren kann.

Das kann unter Umständen die Haarpflege in ihr Gegenteil verwandeln und sowohl Bruch der Haare als auch Haarausfall an betroffenen Stellen verursachen. Wenn so etwas geschieht, sollte man das verwendete Produkt genauer untersuchen. Allerdings kann es bei empfindlichen Köpfen mit praktisch jedem Kosmetikartikel passieren, das nicht rein natürlich