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Keratin und Formaldehyd

Keratinbasierte Haarglättungscremes haben zeitweise wegen erhöhter Formaldehydkonzentration für Verunsicherung gesorgt.

Ist Keratin schädlich? Mache ich meine Haare damit kaputt? Werde ich krank, wenn ich Haarglättungscremes aus dem Internet nutze?

Diese und viele andere Fragen und Zweifel kommen auf, wenn es um das Thema Keratin und Haarglättungsprodukte geht.

Die Ursache für diese Sorgen liegt in den Skandalen vergangener Jahre. In diesem Artikel versuchen wir, ein paar Antworten auf diese Fragen zu geben, ohne in die Polemik einsteigen zu wollen.

DIE POLEMIK

Keratinbasierte Haarglättungscremes haben für Verunsicherung gesorgt, als bekannt wurde, dass diese Produkte oft eine viel zu hohe Formaldehydkonzentration aufweisen.

  1. Ursache des Problems
  2. Gesetze in der EU
  3. Die RAPEX-Liste
  4. Keratinprodukte in der RAPEX-Liste

Wieso enthalten Keratinprodukte Formaldehyd?

Formaldehyd ist manchen keratinbasierten Glättungsprodukten vorhanden, weil es hilft, die Disulfatbrücken im Haar aufzulösen. Das ist notwendig, um die Form der Haare zu verändern. Die Schwefelverbindung in der Haarstruktur ermöglicht im Haar die stabile Struktur und kann nicht ohne weiteres durch ein Shampoo oder Haarcreme gelöst werden. (Weitere Infos dazu gibt es in diesem Artikel).

Das Keratin wiederum dient zur eigentlichen Reparatur der Schuppenschicht, denn diese kann sich nur in den bestehenden Haarpanzer integrieren, wenn zuvor die bestehenden Verbindungen in der Haarstruktur gelöst wurden. Sonst würde das Keratin mit dem nächsten Waschen wieder ausgespült.

Das Haarpflegemittel mit Keratin wird bei der Behandlung mit Hilfe der Hitze des Glätteisens einmassiert. Die mit dem aufgetragenen Keratin regenerierte Schuppenschicht um das Haar herum erhält dadurch wieder festeren Halt und einen leuchtenden und glänzenden Panzenr.

Wieso sind manche Produkte gefährlich?

Was ursprunglich als eine Anwendung zur Pflege der Haare gedacht war, kann sich aber durchaus gesundheitsgefahrend erweisen. Denn das Glätten geschieht durch die Verwendung von chemischen Produkten wie Formaldehyd, die gefährlich sind und zu Atemwegs- und Augenreizungen führen können.

Keratinbehandlungen werden bei hohen Temperaturen durchgeführt. Die Glätteisen erhitzen sich auf über 400ºC und das Haar dampft dabei. Wenn das zuvor auf das Haar aufgetragene Keratin Formaldehyd enthält, verdampft dieses bei der Glättung und wird von dem Stylisten eingeatmet.

Gefahr besteht in erster Linie für das Personal

Diese Treatments oder Behandlungen ziehen sich je nach Haarlänge uber Stunden im Salon hin, was einen Friseur eine lange Zeit den Dämpfen der chemischen Haarglättungsmittel aussetzt.

Das gehört definitiv nicht in hohen Dosen hierher...

Da Formaldehyd an sich giftig und krebserregend ist, setzen sich Angestellte von Friseursalons einer unverhältnismäßigen Gefahr aus, wenn sie durch die Verwendung von Keratinprodukten mit Formaldehyd tagein tagaus diese giftigen Dämpfe einatmen, auch bei Atemschutzmaske.

Gesetzeslage über Haarglättungsprodukte

Die zulässigen Produkte sind in Europa streng reguliert und keine Haarglättungscreme darf mehr als 0,2 % Formaldehyd enthalten. Damit soll die sichere Verwendung auch uber Monate hinweg fur die Angestellten gesichert werden. Wer im Friseur- oder Beautysalon täglich krauses Haar in glatte Strähnen verwandelt, soll nicht unter der Wirkung von zweifelhaften Komponenten Allergien entwickeln oder Hautreizungen erleiden.

In den USA sind diese Mittel nicht reguliert und somit gibt es viele Salons, in denen weiterhin mit hohen Formaldehydkonzentrationen gearbeitet wird.

Fur die Kunden wird allerdings in den USA eine kommerzielle Behandlung durch qualifiziertes Personal mit handelsublichen Mitteln nicht zu einer gesundheitlichen Katastrophe fuhren, da ja nur alle paar Monate eine Haarglättung erneuert werden muss und die Konzentrationen auch in den nicht in der EU zugelassenen Mitteln in den Staaten nicht unbedingt gefährlich sind.

Wenn die Styisten Atemschutzmasken bei der Haarglättung tragen, ist das ein Anzeichen für die Gefährlichkeit der verwendeten Produkte.

Konzentration

Viele Hersteller mit europäischem Vertrieb halten sich inzwischen an die Höchstgrenze von 0,2 % Formaldehyd bei den Haarglättungscremes. Andere bieten außerhalb der EU weiterhin Formeln mit dem zehn- oder zwanzigfachem Gehalt dieser Grenzwerte an.

Wer im Internet nach Haarglättungcremes mit Keratin, darunter viele beliebte Keratin Treatments, sucht, sollte ganz genau nachlesen, was in dem Mittel drin ist und in welcher Konzentration, da die Gesetze in manchen Ländern hohe Konzentrationen zulassen.

Aufpassen sollte man aber auch in der EU, da natürlich mit der Behauptung “frei von Formaldehyd”, “sicher”, “reines Keratin” viel Marketing betrieben wird und nicht immer der Marketingspruch auch tatsächlich der Realität entspricht.

Es ist immer ratsam, Haarglättungen von Profis vornehmen zu lassen, die sich bewusst mit dem Thema Gesundheitsrisiken bei der Haarpflege auseinandergesetzt haben und sorgfältig bei der Auswahl der von ihnen verwendeten Produkte sind.

Formaldehyd in Keratinprodukten geht meist auch mit anderen Elemente wie Quaternium-15,Methanol, Methilaldehyd, Diazolydinyl, Oxymethilen, usw. einher. Wer auf die Liste der Inhaltsstoffe einer Keratinanwendung einen Blick riskiert, sollte bei einer längeren Liste mit “-dehyd”-Endungen einfach mal nachfragen, was da genau drin ist, da diese Mittel chemisch zur gleichen Familie gehören wie das Formaldehyd.

Verlässliche Quellen zu diesem Punkt sind die Tests der Stiftung Warentest und die wöchentlichen Veröffentlichung von offiziellen Prüfstellen der EU-Datenbank Rapex.

Rapex-Datenbank der EU

Die Europäische Kommission listet gefährliche und verbotene Produkte in einer Datenbank auf, die man bequem online durchsuchen kann.

Das System Rapex (Rapid Alert System) veröffentlicht jede Woche eine Liste der aktuellen Warnmeldungen zu allem möglichen Produkten. Über die Suchmaske kann man auch Kosmetika herausfiltern. Link zur Rapex-Suche hier.

Leider lassen viele Informationsangebote der EU bei der Nutzerfreundlichkeit sehr zu wünschen übrig, so dass sich die Suche nicht immer als angenehm und schnell erweist. Die Informationen sind aber zugänglich und mit etwas Geduld bekommt man auch von der EU brauchbare Ergebnisse aus der Liste.

Es ist eher unwahrscheinlich, ein Produkt aus der Rapex-Liste irgendwo in Europa angeboten zu bekommen, da in der Regel die Behörden den Verkauf verboten haben oder die Hersteller dafür gesorgt haben, dass die beanstandeten Produkte wieder von den Regalen verschwinden.

Wie man an der Liste beobachten kann, hat sich das Thema herumgesprochen und es gibt in den Jahren 2015 und 2016 sehr wenig Meldungen bezuglich chemischer Haarglattungscremes, welche die Schwelle uberschreiten.

RAPEX Liste

Diese Liste enthält die in den letzten Jahren erfassten Beanstandungen von keratinbasierten Haarglättungsmitteln, die in der EU offiziell aus dem Verkehr gezogen wurden. Der häufigste Grund hierfür war eine überhöhte Konzentration an Formaldehyd, aber vereinzelt auch das Vorhandensein anderer nicht erlaubter Inhaltsstoffe.

*Die Angabe in % zeigt den beanstandeten Formaldehyd-Gehalt in dem Produkt an

Jahr Referenzlink in % Hersteller Land
2015 A12/1064/15 6.8% encanto do Brasil Brasilien
2015 A12/0828/15 5.39% INOAR Brasilien
2014 A12/0189/14 0.3% COCO Nouvelle Formule USA
2011 0165/11 1.6% Claudia Pazzini Italien
2012 0337/12 3.5% Rio Keratin USA
2013 A12/0587/13 7.0% INOAR professional Brasilien
2011 0315/11 2.89% SOCAP Professionnel Paris Brasilien
2011 0340/11 6.7% Cadiveu Brasilien
2010 186210 1.6% Coppola USA
2010 186310 1.7% Coppola USA
2011 0268/11 2.15% Nanokeratin system China
2010 124710 1.7% 124710 Brasilien
2010 0268/11 1.8%-1.9% Coppola USA
2013 A12/0850/12 1.77% Claudia Pazzini Italien
2010 186510 1.7 -2.0% Coppola USA
2012 A12/0603/13 0.8%-0.5% Coppola USA
2013 A12/0631/13 0.9%-1.7% BioNaza Cosmetics Brasilien
2010 157810 8.8%-9.5% Brazilian Blowout Brasilien
2012 A12/0888/12 2.64% Cocochoco Professional Brasilien
2012 0271/11 0.61% BHOME Brasilien
2010 130110 1.7%-1.9%% Coppola Designer Hair Care; USA
2010 125210 2.0% KeraStraight England
2012 0337/12 2.0% Rio Keratin USA
2007 0418/07 Nitrosamine Chenice Italien
2013 A12/0657/13 7.4% Plastica Dos Fios Brasilien
2012 A12/0657/13 2.3% TCQ Mexiko
2010 123210 Andere Stoffe Embelleze Brasilien
2013 A12/0632/13 0.8%-1.7% BioNaza Cosmetics Brasilien
2013 A12/0672/13 2.3%-2.6% BioNaza Cosmetics Brasilien
2012 A12/1281/12 0.98% Formula 1 Profissional Brasilien
2013 A12/1118/13 2.6% Hair Go Straight USA
2011 0451/11 0.49% Claudia Pazzini Italien
2010 0766/10 2.0% Marcia Teixeirae Brasilien
2013 A12/0636/13 1.2%-1.8%% BioNaza Cosmetics Brasilien
2013 A12/0637/13 1.4% PAZZINI Spazzola progressiva Brasilien